Die Fatal Transactions Summer School 2007 an der Universität Wroclaw/Breslau

„Konfliktforschung und Studienfächer, die sich mit Geschichte, Ökonomie und aktuellen entwicklungspolitischen Fragen des Afrikanischen Kontinents beschäftigen, sind in Osteuropäischen Universitäten äußerst selten“ erklärt Dr. Dominik Kopinski, Koordinator des polnischen Fatal Transactions Partners, dem Institut für Internationale Beziehungen der Universität Breslau.

So ergriff Dr. Kopinski die Gunst der Stunde und organisierte eine einwöchige Summer School an der Breslauer Universität, zu der er insbesondere Studierende aus Osteuropa einlud. In diesem Forum sollte ihnen erstmals die Gelegenheit gegeben werden, gemeinsam über Konflikte in Afrika und über die Rolle, die Ressourcenausbeutung darin spielt, zu diskutieren. Die Woche vom 10. bis 16. September 2007 war somit gänzlich dem von Fatal Transactions adressierten Thema, sowie der Arbeit und den Zielen der Kampagne selbst, gewidmet.

Summer SchoolAuch das BICC wirkte aktiv in der Gestaltung der Summer School mit, und trug mit dem Modul „Externe Akteure in Konfliktregionen und Natürliche Ressourcen“ zum Curriculum bei.

„Afrika von der Geißel des Krieges und den dort wütenden Konflikten zu befreien, ist eine moralische Verantwortung, die uns alle trifft“. Der kongolesische Professor Rigobert Minani Bihuzo hinterlässt einen starken und bleibenden Eindruck bei den Studenten: „In meiner Universität gibt es keinen einzigen Kurs der sich mit Afrika beschäftigt“ äußert sich auch Vit Dostal, Student der Internationalen Beziehungen aus der Tschechischen Republik ,der es außerordentlich schätzt, nun auch die Sichtweise eines afrikanischen Professors kennenzulernen. Es sei eine einmalige Gelegenheit, von lokalen Problemen oder Initiativen zu erfahren, die sonst nur schwer zugänglich oder außerhalb der Gemeinde selbst kaum aufzufinden seien.

So können auch Fragen erörtert werden wie die, ob der Schulbau durch multinationale Unternehmen in Wahrnehmung ihrer Unternehmensverantwortung überhaupt eine angemessene Lösung für die vor Ort herrschenden sozialen Probleme darstellt.

Nicht zuletzt die Rolle aufstrebender ökonomischer Großmächte wie China rückte verstärkt in den Mittelpunkt der Diskussion: „Vergangenes Jahr hielt ich die Ausrichtung der Olympischen Spiele in Peking für eine fatale Idee, aber nun glaube ich, dass wir hierdurch Chinas Ressourcendurst und sein rücksichtsloses Vorgehen in ressourcenreichen afrikanischen Fördergebieten bestens ins Licht der Öffentlichkeit rücken können. China wird so zugänglicher für Diskussionen sein, um sein Bemühen um ein gutes Image unterstreichen zu können“ äußert sich eine Studentin aus Rumänien.

Summer SchoolAuch afrikanische Studierende nahmen an der Summer School teil. Konnten sie noch Neues lernen über Afrika? Gilbert Mbara aus Kenia gefiel besonders die Sichtweise auf die verschiedenen (möglichen) Konfliktursachen, wie sie für die Plünderungen und Konflikte in Nigeria und der Demokratischen Republik Kongo erörtert wurden. „Alles scheint einander zu bedingen: Ökonomische wie rechtliche Aspekte, die Rolle bestimmter Institutionen wie auch das Erbe alter Kolonialmächte, die einst wahllos die Grenzen afrikanischer Staaten zogen.“ Gilbert erlebte selbst eine Reihe von Konflikte in seiner Gemeinde, als ein großes Staudammprojekt vier Schulen zur Umsiedelung zwang.

„Selbst wenn gewaltsame Konflikte verschwiegen werden, kommt es lokal immer wieder zu Auseinandersetzungen, wenn große Bergbauunternehmen ins Spiel kommen. Es ist von ungeheuerlicher Wichtigkeit gerade Umsiedlungsfragen, Kompensationszahlungen und der Zerstörung der Umwelt größere Aufmerksamkeit zu schenken. Denn meist kennen die Betroffenen Ihre Rechte nicht und haben keine Zeitung, die sie besser informieren würde. Genau das möchte ich in Zukunft ändern. Ich will mein Wissen für Entwicklungsfragen einsetzen und den Menschen mehr Teilhabe an den sie betreffenden Entscheidungen ermöglichen.“

Reinfort Mwangonde, Vorsitzender der Citizens for Justice in Malawi, regt die Studierenden an, über mögliche Zukunftsaktionen und Kampagnen nachzudenken. „In Malawi setzten wir uns für faire Ressourcennutzung uns transparente Verträge im Uranbergbau ein.“ Und die Studierenden geben ihm Recht: „ Wir sind jung, voller Energie und Ideenreichtum und haben Zugang zu Informationen. Es gibt eine Menge Möglichkeiten sich einzubringen!“ „Diese Summer School hat es ermöglicht, so interessante Leute zusammenzubringen, dass es einer Schande gleich käme, wenn wir uns in Zukunft aus den Augen verlieren würden. Ich hoffe wir können in einem Netzwerk zusammenarbeiten und uns in Zukunft wieder sehen!“ sagt Mwangonde voller Optimismus und Begeisterung, als er den letzten Workshop der Wroclaw Summer University 2007 schließt.