Jahresbericht 2008/2009
2009 wird das BICC (Bonn International Center for Conversion – Internationales Konversionszentrum Bonn) 15 Jahre alt. 1994 wurde es auf Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet. Mit dem vorliegenden Jahresbericht 2008/2009 wollen wir Sie aktuell informieren, wie sich das BICC an der Schnittstelle zwischen Frieden und Entwicklung weltweit in anwendungsorientierter Foschung, Beratung und Training engagiert.
Viele der Hoffnungen, die vor 15 Jahren an den Begriff „Konversion“ gerichtet waren, haben sich nicht erfüllt. Davon zeugt auch der Datenteil des Jahresberichts, der weltweite Trends bei Verteidigungsausgaben, bewaffneter Gewalt und Militarisierung darlegt. Wir stellten dabei fest, dass Größe und Zusammensetzung des Militärapparats beträchtliche Auswirkungen auf die menschliche und wirtschaftliche Entwicklung eines Staates haben kann, wie auch auf interne wie externe gewaltförmige Konflikte. Der Globale Militarisierungsindex (GMI), der hier zum ersten Mal vorgestellt wird, soll all jenen eine Hilfe sein, die diese Zusammenhänge näher untersuchen wollen.
Am 5. April 2009 verkündete US-Präsident Barack Obama in Prag, „dass die Vereinigten Staaten entschlossen sind, sich für den Frieden und die Sicherheit einer Welt ohne Atomwaffen einzusetzen.“ Wie mit der Obama-Admistration eine neue bra der Abrüstung eintreten kann, hinterfragt in seinem Editorial Dr. Jayantha Dhanapala, ehemaliger stellvertretender UN-Generalsekretär und Mitglied des Internationalen Beirats des BICC. „Wenn alte Konzepte nicht mehr greifen, dann wird es umso wichtiger, neue Ideen zu entwickeln“, gab uns zum zehnjährigen Jubiläum der damalige Bundespräsident Johannes Rau mit auf den Weg. Dass wir diesen Rat berücksichtigt haben, spiegelt sich in den Projekten wider, die dieser Jahresbericht exemplarisch vorstellt. Dem Thema Migration und Diaspora – Neuland für das BICC – sind die EU-geförderten Projekte DIASPEACE und INFOCON gewidmet. Eine internationale Konferenz fand zur Süd-Süd Migration in Afrika südlich der Sahara mit dem Schwerpunkt Migration und Sicherheit statt. Die internationale Konferenz „Digging for Peace“ von BICC und der Kampagne Fatal Transactions (FT), eine FT-Studie zur Situation in der Elfenbeinküste und die Ausstellung „Rohstoffe für eine gerechte Welt“ stellten Zusammenhänge zwischen Rohstoffgewinnung und bewaffneten Konflikten her und fragten nach Lösungsmöglichkeiten.
Ein wissenschaftliches Projekt zum ethnischen Föderalismus untersuchte institutionelle Voraussetzungen für Stabilität und Konfliktregelung. Wie die gesellschaftliche und demokratische Kontrolle von Privatsoldaten im Kriegsgebiet funktionieren kann, analysiert ein anderes Forschungsvorhaben.
Aber auch die „klassischen“ Konversionsthemen wie Demobilisierung und Reintegration, Kleinwaffenkontrolle sowie nukleare Abrüstung sind nach wie vor hochaktuell und mit „neuen Ideen“ verbunden. So forscht ein Projekt zu Kriegsvergewaltigung und den Auswirkungen in der Nachkonfliktzeit. Ein anderes hat sich zur Aufgabe gestellt zu helfen, die Reintegration tausender demobilisierter kolumbianischer Exkombattanten zu überwachen und zu evaluieren. Vorgestellt werden BICC-Projekte zur Kleinwaffenkontrolle in Ghana, in der Demokratischen Republik Kongo und in Zusammenarbeit mit der Ostafrikanischen Gemeinschaft (East African Community – EAC). Eine internationale Konferenz diskutierte neue Chancen für einen Kompromiss im Atomstreit mit dem Iran nach den US-Wahlen.
Nach wie vor gilt – Abrüstung setzt Mittel frei, die zur Bekämpfung der Armut genutzt werden können. Konversion sorgt dafür, dass diese Ressourcen zielgerichtet umgewidmet und bestmöglich genutzt werden können. Sollte nicht in einer solchen Zeit, da das Wort „Change“ einen neuen Klang bekommen hat, auch der Begriff „Konversion“ umso mutiger aufgegriffen werden? Denn nach wie vor gilt – ohne die Konversion der Politik, die Konversion des Denkens und Handelns lassen sich die Probleme von Frieden und Entwicklung nicht lösen.
Mit unserem Jahresbericht 2008/2009 möchten wir Ihnen unsere Aktivitäten und neuen Ideen vorstellen und Sie zur Diskussion einladen.
Peter J. Croll
Direktor des BICC

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