Konversionsbericht Band IV: Fazit
Konversionsbericht Band IV
Zehn Jahre Truppenabzug und Konversion in Nordrhein-Westfalen
Fazit
Zehn Jahre nach Beginn des Truppenabbaus und der Freigabe militärisch genutzte Liegenschaften in Nordrhein-Westfalen ist die Konversion in entscheidendem Maße vorangeschritten. Die mit dem Truppenabbau verbundenen Probleme, die in vielen Standortkommunen noch Mitte der 90er Jahre spürbar waren, sind inzwischen weitgehend überwunden. Es kann festgestellt werden, dass sich ein deutlich positiver Entwicklungstrend abzeichnet: Die zahlreichen Praxisbeispiele in diesem Bericht machen deutlich, dass vielerorts die freigegebenen Liegenschaften dazu genutzt werden, Regionen wirtschaftsstrukturell und stadtentwicklungspolitisch zu modernisieren sowie zukunftssichere Arbeitsplätze zu schaffen.
Die Reaktivierung der zumeist über Jahrzehnte hinweg aus der siedlungsstrukturellen Entwicklung ausgeblendeten Militärgelände erwies sich für die betroffenen Kommunen als schwierige Aufgabe. Selbst in Städten, die dringend auf die Aktivierung zusätzlicher Flächenpotentiale angewiesen waren, um Wohn- und Gewerbeflächenengpässe auszugleichen, stellte die Konversion in den seltensten Fällen einen Selbstläufer dar. Die hohen Kosten für die Aufbereitung und Wiederherrichtung der Liegenschaften, die Bewertung der Gebäude und Flächen im Falle einer zivilen Nutzung sowie das Prozessmanagement selber stellten nahezu überall Fragen dar.
Vor diesem Hintergrund haben die finanziellen Hilfen und die beratende Unterstützung der nordrheinwestfälischen Landesregierung und der Europäischen Union in entscheidendem Maße dazu beigetragen, die komplexe Aufgabenstellung Konversion positiv zu gestalten und damit Entwicklungsprozesse in den Regionen anzustoßen.
Diese Hilfen geben wichtige Impulse, doch hat es sich gezeigt, dass vor allem das Engagement, mit dem sich die meisten der betroffenen Kommunen der komplexen Aufgabe gestellt haben, den bisherigen Erfolg des Konversionsprozesses in Nordrhein-Westfalen in entscheidendem Maße getragen hat. Überall dort, wo Politik und Verwaltung, Planer und Vertreter der örtlichen Wirtschaft mit höchster Priorität, gleichzeitig aber auch mit hoher Dialogbereitschaft die Flächenaufbereitung betreiben, ist die Entwicklung besonders gut vorangeschritten. Unabhängig von der letztlich gewählten Organisations- und Vermarktungsform ist die Kreativität und aktive Teilnahme der Kommune am Konversionsprozess das ausschlaggebende Moment für den Erfolg.
Zur Bewältigung der komplexen Querschnittsaufgabe Konversion bedarf es innovativer Managementmethoden auf der lokalen und regionalen Ebene. Unter dieser Prämisse sind in den vergangenen Jahren unterschiedliche Organisationsformen des Projektmanagements in nordrhein-westfälischen Konversionskommunen entwickelt und erprobt worden, wie viele der dargestellten Projektbeispiele zeigen. Innerhalb von Kommunalverwaltungen wurden beispielsweise neue Strukturen in Form von ämterübergreifenden Arbeitsgruppen geschaffen. In anderen Fällen wurden Planung und Umsetzung der Projekte kommunalen Entwicklungsgesellschaften übertragen. Als besonders erfolgversprechend ist die Einbindung von privatem Know-how und Kapital in derartige Gesellschaften und damit in die Gestaltung des Entwicklungsprozesses anzusehen.
Obwohl jedes Konversionsprojekt aufgrund der regionalen Besonderheiten einen Einzelfall darstellt, sind dennoch die in diesem Bericht aufgezeigten prozessorientierten Lösungsansätze durchaus auf andere Konversionsprojekte und letztlich auch auf andere Entwicklungsprojekte im Bereich des Flächenrecyclings übertragbar. Sie liefern den in der Konzeptionierungsphase befindlichen Kommunen vielfältige Anregungen und Lösungsmöglichkeiten, die mit einer Reaktivierung ehemals militärisch genutzter Flächenpotentiale verbundenen Chancen für eine regionale Entwicklung zu nutzen.
Unabhängig davon zeigen aber die bislang gemachten Erfahrungen auch, dass die Liegenschaftskonversion neben einem zielgerichteten und entscheidungsstarken Management vor Ort sowie einer Unterstützung seitens der Landesregierung vor allem eines weiteren wichtigen Aspektes bedarf: Entwicklungszeit und einen entsprechend langen Atem der Akteure. Es hat sich einerseits herausgestellt, dass die unterschiedlichen Präferenzen in den Planungs- und Verhandlungsprozessen sowie die Aufbereitung der Flächen für eine zivile Nutzung oftmals wesentlich langwieriger sind, als man das zu Beginn der 90er Jahre erwartet hatte. Andererseits kann festgestellt werden, dass die Projekte, die auf einer weitgehend ökonomisch, ökologisch und sozialverträglich abgestimmten Gesamtkonzeption fußen, besonders gute Chancen für eine erfolgreiche Entwicklung mit sich bringen. Aufgrund dieser Erkenntnisse hat es sich bewährt, möglichst frühzeitig alle relevanten Akteure auf der lokalen, regionalen und überregionalen Ebene in den Prozess mit einzubinden. Gleichzeitig ist aber von besonderer Bedeutung, dass im Projektmanagement flexible Handlungsmöglichkeiten erhalten bleiben, damit auf geänderte Rahmenbedingungen reagiert werden kann, die immer wieder im Verlauf von mehrjährigen Konversionsprozessen auftreten können.
Auch in den kommenden Jahren wird es weiterhin darauf ankommen, den Konversionsprozess in Nordrhein- Westfalen im Sinne einer Umstrukturierung und Modernisierung der betroffenen Regionen voranzutreiben. Der Prozess der zivilen Umnutzung ehemals militärisch genutzter Liegenschaften ist auf einem guten Wege, doch vielerorts noch nicht abgeschlossen. Hinzu wird kurz- bis mittelfristig die Aufgabe von Standorten der Bundeswehr als unmittelbare Auswirkung der Bundeswehrstrukturreform kommen. Als sicher kann jedoch gelten, dass diese neue Freigabewelle nicht annähernd den Umfang der Freigabe militärischer Liegenschaften zu Beginn der 90er Jahre erreichen wird. Gleichwohl werden viele der Standortkommunen mit strukturpolitischen Veränderungsprozessen und möglicherweise auch Problemstellungen konfrontiert werden, die es zu meistern gilt. Die Erfahrungen, die in einem Jahrzehnt der Liegenschaftskonversion in Nordrhein- Westfalen gemacht wurden, werden dabei zweifellos von Nutzen sein und gemeinsam mit den Akteuren vor Ort wird sich das Land auch zukünftig diesen Herausforderungen stellen.

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