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Jahresbericht 2006/2007

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Das BICC (Bonn International Center for Conversion – Internationales Konversionszentrum Bonn) arbeitet an der Schnittstelle zwischen Entwicklungs- und Sicherheitspolitik einerseits sowie anwendungsorientierter Friedens- und Konversionsforschung andererseits. Mit unserem Jahresbericht 2006/2007 wollen wir Sie erneut informieren, wie wir für unseren Informations-, Beratungs- und Forschungsauftrag aufgestellt sind – in Analyse, Einzelprojekten und in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung des Konversionszentrums.

Ob Irak, Afghanistan oder Sudan – weltweit besteht die Gefahr, dass aus Versuchen, Konflikte gewaltsam zu beenden, wieder neue blutige Auseinandersetzungen resultieren. Der Leitartikel des aktuellen Jahresberichts ist vor allem der Frage gewidmet, wie es der internationalen Gemeinschaft gelingen kann, effektive Mechanismen zu entwickeln, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Kurz gesagt – wie kann ein Gewaltkonflikt so nachhaltig transformiert werden, dass in der Situation nach einem Konflikt nicht schon die nächsten gewaltsamen Auseinandersetzungen vorprogrammiert sind? Wie können Bedingungen für einen lang anhaltenden, „positiven Frieden“ geschaffen werden, der nicht nur das Ende von Gewalt bedeutet, sondern auch umfassende Möglichkeiten zur menschlichen Entwicklung und Sicherheit einschließt?

Der Datenteil des Jahresberichts liefert Informationen, wie sich das Verhältnis zwischen Militär- und Entwicklungsausgaben gestaltet. Eine Übersicht zum globalen Konfliktgeschehen weist die derzeitigen Brennpunkte gewaltsamer Auseinandersetzungen aus.

Einzelne Projektberichte geben Einblick in die anwendungsorientierte Forschung sowie in die Beratungs- und Trainingsarbeit des BICC. Was hat z.B. im letzten Jahr ein spezielles Trainingsprogramm zur Kleinwaffenkontrolle im Sudan gebracht? Auch der Evaluierung von Demobilisierungs- und Entmilitarisierungsmaßnahmen in der indonesischen Region Aceh war ein Forschungsvorhaben gewidmet. Ein weiteres Projekt fragt anhand der Beispiele Indien, Nigeria, Russland und Spanien, ob und wie ethnische Föderationen helfen, in multi-ethnischen Gesellschaften Konflikte zu regulieren. Vorgestellt werden die Ergebnisse eines Expertenworkshops zur Rolle der afrikanischen Diaspora in Deutschland und Nordrhein-Westfalen. Als Mitglied eines europäischen Konsortiums von Nichtregierungsorganisationen hat das BICC von der EU-Kommission den Zuschlag für die Kampagne Fatal Transactions (FT) erhalten, die entwicklungspolitische Lobby- und Bildungsarbeit zum Thema „Ressourcen und Konflikte“ entwickeln soll. In Kolumbien beriet das BICC die Regierung in Fragen der Reintegration von Exkombattanten. Probleme der Demobilisierung und der Kleinwaffenabrüstung standen im Mittelpunkt eines Projektes, das in Afghanistan durchgeführt wurde. In OECD-Ländern wurden Instrumente und Möglichkeiten zur Frühwarnung im Konfliktfall und zu schnellem Handeln untersucht.

Auch dieses Jahr informiert ein Geschäftsbericht des BICC nicht nur über Zahlen und Fakten der wirtschaftlichen Entwicklung, sondern auch über Projekte und Personal des Zentrums. Eine Publikationsliste vervollständigt das Bild der Aktivitäten.

Der Arbeit des BICC – anwendungsorientierte Forschung, Beratung und Kapazititätenaufbau – liegt ein komplexes und umfassendes Konversionskonzept als Leitlinie zugrunde. Unsere These: Proaktive Konversion kann in allen Phasen des Konfliktzyklus dazu beitragen Gewalt zu vermindern. So wollen wir good governance durch Demokratie, Transparenz und Sozialverantwortlichkeit fördern helfen, kommunale Selbstverantwortung stärken, den Wiederaufbau leistungsfähiger Zivilgesellschaften z.B. durch die erfolgreiche Integration früherer Kämpfer unterstützen sowie Kleinwaffenkontrolle und nachhaltige Reformen des Sicherheitssektors anregen. Durch ein weites Spektrum an Forschungs-, Beratungsund Trainingsaktivitäten wollen wir so ganz konkret dazu beitragen, positiven Frieden zu schaffen, menschliche Sicherheit zu verbessern sowie strukturelle Gewalt und Krisenursachen zu reduzieren.

Im letzten Jahr haben wir unsere institutionelle Zielsetzung (vision) so formuliert: BICC will sich als international anerkanntes unabhängiges Forschungsinstitut für angewandte Friedens- und Konfliktforschung weiter etablieren. Als unsere spezielle Aufgabe (mission) sehen wir an, zu Frieden und Entwicklung durch Maßnahmen zur Verhinderung gewaltsamer Konflikte und deren konstruktiver Transformation beizutragen.

Auch dies wollen wir in unserem Jahresbericht 2006/2007 widerspiegeln und zur Diskussion stellen.

Peter J. Croll
Direktor des BICC