Rohstoffe in Bürgerkriegen - Bürgerkriege um Rohstoffe

Was haben eigentlich Öl, Diamanten und Holzkohle gemeinsam?

Auf den ersten Blick vielleicht wenig. Aber eine kürzlich durchgeführte Studie des BICC belegt: All diese Rohstoffe waren in mindestens einem afrikanischen Land Finanzierungsquelle für Bürgerkriege. Kriegsparteien verschaffen sich Zugang zu Ölfeldern, Minen oder Tropenwäldern, setzen die Förder- bzw. Abbauprodukte auf dem internationalen Markt ab und sichern sich so einen steten Finanzierungsfluss für die Beschaffung von Kriegsmaterial wie Waffen und Munition.

Gleichzeitig ist oft das Bestreben, wertvolle Mineralien wie Diamanten und Smaragde oder Gold und Öl zu besitzen und über sie zu verfügen, selbst Grund für einen Konflikt.

Sogenannte "Konfliktressourcen" können also einerseits Mittel zur Finanzierung eines Krieges, andererseits aber auch Motiv oder Anlass einer kriegerischen Auseinandersetzung sein. Eine gängig Definition lautet daher: "Konfliktressourcen sind natürliche Ressourcen, deren systematische Ausbeutung und Handel im Kontext eines Konfliktes zu schwersten Menschenrechtsverletzungen, Verletzungen des humanitären Völkerrechts oder Verwirklichung völkerstrafrechtlicher Tatbestände führen kann."

Vom Kalten Krieg zum "Fluch der Ressourcen"

Die Bedeutung des internationalen Handels mit Ressourcen für die Finanzierung von Kriegen wuchs in den 1990er Jahren. Zu Zeiten des Kalten Krieges wurden einige der sich in Stellvertreterkriegen in Afrika bekämpfenden Parteien von dem jeweilig dazugehörenden ideologischen Block mit Waffen und Munition versorgt. Nach Ende des Kalten Krieges wurden die wirtschaftlichen Hintergründe jedoch undurchsichtiger und komplexer. Die widerstreitenden Parteien mussten neue Finanzierungsquellen erschließen. Die Ausbeutung und der Handel mit wertvollen Rohstoffen boten sich als sichere Lösung an. Alsbald konzentrierten sich nun auch die Rebellenbewegungen auf rohstoffreiche Gebiete. Manchmal geriet in diesen Kämpfen gar die eigentliche Motivation z.B. einer Befreiungsbewegung in Vergessenheit - das Streben nach Unabhängigkeit wurde mehr und mehr durch den Drang zur Selbstbereicherung ersetzt. Frieden wurde dadurch im Gegensatz zum profitableren Krieg für die kämpfenden Parteien immer unattraktiver.

In diesem Zusammenhang entstand auch das Phänomen sogenannter "Blut- oder Konfliktdiamanten".

Die Begriffe "Paradoxon des Reichtums" und "Fluch der Ressourcen"Diese Instabilität führt dann fast unweigerlich zu wirtschaftlichem Stillstand und Stagnation. Verteilungsstreitigkeiten kann mangels nachhaltiger Ressourcenverwaltung nicht Einhalt geboten werden. Und daraus erwachsende Ungerechtigkeiten und Unruhen befördern so eine höhere Krisenanfälligkeit. beschreiben das Phänomen, dass Länder mit sehr großen Rohstoffvorkommen tendenziell eine schwache Regierungsführung und wirtschaftlich instabiles Verhalten aufweisen. Ein weiteres Phänomen ressourcenreicher Länder ist zudem die Holländische KrankheitGute Umsätze aus produktiven bestehenden Sektoren werden durch plötzlich und immenses -exportbedingtes - Wirtschaftswachstum und der damit verbundenen Inflation völlig entwertet. Ein Großteil der Staatseinnahmen wird ab diesem Zeitpunkt aus nur noch einem Wirtschaftszweig, z.B. der Ölindustrie, erzielt und Bestehende werden stark vernachlässigt. Sie werden unwirtschaftlich und sind auf dem Weltmarkt nicht mehr wettbewerbsfähig. Diese Abhängigkeit macht Länder gegenüber Preisschwankungen sehr verletzlich und gibt ihnen eine schlechte Verhandlungsposition. .

Konfliktressourcen als Forschungsgegenstand

Konfliktrohstoffe werden zunehmend auch Thema der anwendungsorientierten Forschung . Gerade dem Aspekt der Ressourcenverwaltung sollte dabei ein wichtiger Stellenwert zukommen. Denn wer Konflikten vorbeugen möchte, muss zunächst einmal die Dynamik verstehen, die ein schlechtes, nicht nachhaltiges Ressourcenmanagement in Gang setzt. So wurde die Rolle natürlicher Rohstoffe in den Konflikten Somalias und in der Elfenbeinküste oft unterschätzt und im Falle Nigerias nur unzureichend miteinbezogen.

Gleichwohl ist die Problematik vielschichtig - die Bürgerkriege in Sierra Leone, der Demokratischen Republik Kongo und Angola etwa waren komplexer Natur und entgegen weit verbreiteter Meinung nicht ausschließlich Ressourcenkonflikte

Auch die Rolle der "externen Akteure" ist Forschungsgegenstand. Denn diese wichtigen Teilnehmer im Wettbewerb um die wertvollen Rohstoffe üben einen bedeutenden Einfluss auf Folgen und Wirkungen ihres Abbaus aus.